Was Crowdfunding für Ihre Produkt- und Geschäftsideen bringt (German)

In Kürze findet in Zürich ein Anlass der Digital Community Switzerland zum Thema Crowdfunding statt. Anlässlich dieses Events (Details siehe www.digitalcommunity.ch) möchte ich ein paar Worte zum Nutzen von Crowdfunding verlieren.

Das Thema Crowdfunding wird derzeit – zu recht – sehr kontrovers diskutiert. Bei der Einladung zur Community kamen daher auch sehr eindeutige Antworten. Die einen sind sehr interessiert und freuen sich auf den “tollen” Event mit Speakern aus der Praxis, die anderen haben momentan andere Themen auf der Agenda und sind sich einfach noch nicht über den Nutzen von Crowdfunding bewusst.


Primär dient ein Crowdfunding natürlich dazu, eine (Teil-)Finanzierung für ein i.d.R. physisches Produkt oder für ein Start-Up zu erhalten, dieses als alternative Finanzierungsmethode. Mit Hilfe der Einlagen der Unterstützer kommen teils beachtliche Summen zusammen. Das heisst von 4- bis 7-stelligen Summen (CHF/USD) ist momentan alles denkbar, wenn man Länder wie die Vereinigten Staaten, Deutschland oder die Schweiz anschaut. Aber was kann Crowdfunding in der Praxis sonst noch an Nutzen bringen? Hierzu nachfolgend zwei Beispiele aus der Praxis.

Beispiele

Beispiel 1 – Velo-Tracker: Stellen Sie sich vor, Sie möchten als Founder (Gründer) eines Start-Ups eine Tracking-Lösung für Velos (Fahrräder) auf den Schweizerischen Markt bringen. Bei Bekannten und Freunden stossen Sie mit Ihrer Idee auf grosses Interesse (und tatsächlich ist das in der Schweiz eine noch nicht hinreichend adressierte Nische). Mit einem Developer haben Sie bereits einen Prototyp gebaut, der in den ersten Tests auch gut funktioniert hat. Daneben ist bereits auch eine erste App für Android und iOS mit minimaler Funktionalität zum Orten eines Fahrrads parat. Nun fragen Sie sich aber, ob die Lösung auch auf dem Markt ankommt. Bevor Sie die nächsten Schritte gehen, wünschen Sie sich etwas konkreteres Feedback von Ihren potenziellen Zielgruppen. Hier würde ich konkret empfehlen, ein Crowdfunding zu starten und dafür eine Schweizerische Crowdfunding-Plattform zu wählen (z.B. Funders, We Make It).

Beispiel 2 – Smart Home: Ein bestehendes Unternehmen aus der Elektrobranche plant, im Zuge der Digitalen Transformation “smartere” Produkte für Kunden anzubieten und hat hierzu auch ein “Innovation Lab” in der Firma initiiert, wo interne Mitarbeiter (sowohl “alte Hasen” als auch “Digital Natives”) und externe Digital- und Innovationsexperten erste Produkte “austüfteln”. Die Palette reicht von smartem Licht und smarten Steckdosen bis hin zu Innenraumsensoren (wie Feuer-/Rauchmeldern), elektrischen Storen (Jalousien), Lüftungen und smarten Heiz- und Klimareglern. Um nun ein konkretes erstes Produkt auf dem Markt zu testen, wäre es auch in diesem Fall angebracht, ein Crowdfunding-Projekt zu lancieren, beispielsweise auf Basis der smarten Feuer-/Rauchmelder.

In beiden Fällen können Sie als Anbieter des Produkts in relativ kurzer Zeit feststellen:
– ob Sie das Produkt während der Kampagne hinreichend gut vermarktet haben
– ob Ihr Produkt überhaupt auf Interesse stösst
– ob eine Kaufbereitschaft bei Interessenten besteht
– ob Sie das richtige Geschäftsmodell gewählt haben (z.B. Pay-per-Use, Abo, Kauf des Produkts mit lebenslangem Service, etc.) und die richtigen Preise angesetzt haben.
Es gibt noch weitreichenderen Nutzen – ich möchte diesen Beitrag aber kurz und knapp halten.

Wie bereits an den Beispielen deutlich wird, sind momentan vor allem neue Produkt- oder Geschäftsmodelle prädestiniert für ein Crowdfunding. Aber auf den Plattformen werden auch Fotoprojekte, Bücher, Bio-Produkte, Musikalben, Equipment für Non-Profit-Organisationen oder ganz andere Dinge unterstützt und finanziert. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt – solange es einen potentiellen Markt gibt und die Initiatoren mutig genug sind, ihre Idee einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Eine wichtige Sache darf man aber nicht vergessen: Wenn ein Crowdfunding erfolgreich verläuft, heisst es meistens, aber eben nicht immer, dass sich das Business Modell auch tatsächlich erfolgreich umsetzen lässt. Sie erhalten lediglich eine gute Indikation, können einige Risiken ausschliessen und aus dem Feedback der Interessenten und Käufer lernen. Genau umgekehrt heisst es bei einer nicht erfolgreichen Crowdfunding Kampagne nicht automatisch, dass Sie das Produkt nicht auch auf dem Markt verkaufen können. Vielleicht haben Sie einfach das angestrebte Finanzierungsziel zu hoch angesetzt oder es einfach zu schlecht vermarktet. Beides führt naturgemäss zu einem Misserfolg, muss aber nicht zwingend etwas mit Ihrer Produkt- oder Geschäftsidee zu tun haben.


Erfolg
Um sicher zu stellen, dass Ihre Idee nicht aufgrund einer schlechten Crowdfunding Kampagne scheitert, gibt es beim Crowdfunding einige Regeln zu beachten. Hierzu gibt es recht viel Material zum Lesen. Ich empfehle aber auch, sich hierzu Rat von einem versierten Digital-/Innovations- oder Crowdfunding-Experten, Rat von den Verantwortlichen erfolgreicher Kampagnen oder von den Verantwortlichen der Crowdfunding-Plattform selbst einzuholen (Google hilft). Ein paar Regeln, die ich gern mitgebe, sind beispielsweise die folgenden:
– Eine Crowdfunding-Kampagne sollte nie über 1.5 Monate dauern, im Optimalfall etwa einen Monat.
– Wer sind Ihre potenziellen Unterstützer? Machen Sie sich Profilskizzen von typischen Unterstützer-Segmenten oder kreieren Sie besser noch Personas und befragen Sie Ihre möglichen Zielgruppen.
– Es sollte genau überlegt werden, was Unterstützer bereit sind, zu finanzieren (in der Schweiz derzeit lt. We Make It im Schnitt etwa 120 CHF pro Person pro Kampagne).
– Es sollte ein angemessenes Crowdfunding-Ziel (Finanzierungssumme) gewählt werden. Wenn Sie Ihr Ziel nicht erreichen, nützt Ihnen das Crowdfunding nicht viel oder gibt Ihnen maximal eine Indikation, dass Sie Ihre Idee nicht weiter verfolgen sollten. Ausserdem sind viele Personen erst bereit, etwas zu geben, wenn sie sehen, dass bereits ein Teil finanziert wurde. Das funktioniert mit zu hohen Finanzierungszielen nicht gerade gut, da sie i.d.R. auch nach Tagen nur einen geringen Prozent-Anteil der Summe durch erste Unterstützer finanziert haben. Das schreckt weitere Unterstützer meist ab.
– Sie sollten bereits Monate vor dem Kampagnenstart mit dem Marketing beginnen, unter anderem eine Microsite / Landing Page aufsetzen und nach und nach eine Liste von Mailempfängern sammeln, die Sie bei dem Start informieren können.
– Auch während der Kampagne ist ein gezielter Einsatz von Marketingaktionen unverzichtbar. Schon den Start des Projekts sollten Sie inszenieren.
Die oben genannten Punkte sind als Beispiele zu verstehen. Wie bereits erwähnt, empfehle ich, dass Sie sich Rat einholen.

Fazit und Anmeldemöglichkeit zum Crowdfunding-Anlass
Crowdfunding kann also durchaus eine wichtige Rolle bei der Prüfung eines Produkt- oder Geschäftsmodells spielen und geht weit über den Nutzen einer Finanzierung hinaus. Sind Sie neugierig geworden oder planen Sie Ihr eigenes Crowdfunding? Dann kommen Sie am 10. Mai in den Bogen D, Viaduktstrasse 93, Zürich (Impact Hub). Dort hören Sie die wichtigsten Grundlagen, Tipps und Tricks von zwei Crowdfunding-Experten der Schweiz von We Make It und Funders. Darüber hinaus wird ein sehr erfolgreiches Crowdfunding-Projekt präsentiert (FreezyBoy). Bitte melden Sie sich über www.digitalcommunity.ch an oder sprechen Sie mich an. Ich empfehle auch, folgenden Beitrag zu lesen: Involve the Crowd as your Partner to get from Idea to Solution.

Herzlicher Dank geht an Daniel Lütolf (@groovedan) von Funders für den Review.

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