2017 – Jahr der Bitcoin Hard Forks

Hard Fork & Forkology –

Inzwischen hat jeder Krypto-Interessierte schon von diesem Thema gehört. Für das Bitcoin-Ökosystem ist 2017 ein spannendes Jahr, denn bis einschliesslich November 2017 standen und stehen insgesamt gleich drei “prominente” Hard Forks an. Wir reden hier von den Forks, aus denen Bitcoin Cash, Bitcoin Gold und Bitcoin 2x / Bitcoin SegWit2x [Nachtrag: inzwischen abgesagt, siehe CoinDesk] entstanden sind respektive entstehen werden.

Im Prinzip kann das “reine” SegWit-Upgrade von Bitcoin Ende August 2017 auch als Fork betrachtet werden. Dieses Upgrade hatte für Bitcoin-Endnutzer aber keine Relevanz (und auch keinen Nutzen) und wird daher von der folgenden Betrachtung ausgeschlossen.

Bild: flickr (CCO-Lizenz)

Was ist ein Hard Fork am Beispiel von Bitcoin?

Vereinfacht beschrieben, kann ein Hard Fork durch eine signifikante Modifikation im Bitcoin-Protokoll ausgelöst werden. Dieses kann beispielsweise die Modifikation der Block-Grösse sein, die nicht abwärts-kompatibel ist. Mit dem Bitcoin Cash – Upgrade wurde zum Beispiel eine neue Standard-Blockgrösse von 8 MB eingeführt (1 MB bei Bitcoin). Das allein ist aber noch kein Hard Fork. Erst dadurch, dass nur ein Teil der Bitcoin Nodes (Bitcoin-Clients) das Software-Upgrade auf Bitcoin Cash durchgeführt hat und der verbleibende Teil der Nodes bei der “ursprünglichen” Bitcoin-Version geblieben ist, kam es in diesem Fall zu einem Hard Fork. Die Blockchain wurde in zwei unterschiedliche Ketten aufgesplittet. Denn seit diesem Zeitpunkt führte ein signifikanter Teil der Nodes die Blockchain nach alten “Regeln” (Bitcoin) weiter und der übrige Teil nach den neuen Regeln des Software-Upgrades (Bitcoin Cash). Ergänzend empfehle ich auch den Vortrag (Video) von Andreas Antonopoulos “Forkology” zur Veranschaulichung des Themas anzuschauen.

Warum nun gleich drei promimente Forks nacheinander?

Hierzu nachfolgend eine kleine Aufstellung der unterschiedlichen Bitcoin Blockchains aus 2017.

Bitcoin – Forkology 11/2017 – net1.digital

Unterschiedliche Interessen und Probleme mit der Skalierung bei Bitcoin

Grundsätzlich ist ein Hard Fork bisher immer auf Unstimmigkeiten und unterschiedliche Interessen innerhalb der Bitcoin Community zurück zu führen gewesen und nicht etwa auf technische Gründe. So ist bei Bitcoin (BTC) immer noch die Problemstellung der Skalierung völlig ungelöst. Denn durch die Blockgrösse von 1 MB können derzeit nur wenige Transaktionen pro Sekunde abgewickelt werden (derzeit im Schnitt ca. 3/sec.). Dadurch kommt es zu einem Aufstauen von Transaktionen, die noch nicht in Blöcken verarbeitet werden konnten sowie in Folge zu hohen Transaktionsgebühren. Vor wenigen Tagen habe ich selbst knapp 4 USD für eine Transaktion gezahlt, um sicher zu stellen, dass die Transaktion zeitnah in einem Block abgebildet wird und nicht tagelang “on hold” bleibt.

Bitcoin Avg. Transaction Fee historical chart – bitinfocharts.com

Lösungsansatz mit Zentralisierung bei Bitcoin Cash?

Die Bitcoin Cash – Entwickler haben dieses Problem – zumindest temporär – gelöst, indem sie die Blockgrösse vervielfacht haben. Bitcoin Cash kann rechnerisch nun den 8-fachen Transaktionsdurchsatz im Verhältnis zu Bitcoin bieten und Transaktionen zu Gebühren von wenigen Cents sofort abwickeln. Vorausgesetzt, dass sich Bitcoin Cash etablieren kann (ungewiss) und der mögliche 8-fache Durchsatz auch in der Praxis voll ausgeschöpft wird, führt diese Massnahme bei Bitcoin Cash aber über kurz oder lang zu einer signifikant grösseren Blockchain-Grösse, da einfach mehr Transaktionen in der Blockchain dokumentiert werden. Jeder Bitcoin Cash – Node muss diese grössere Blockchain über das Internet abgleichen. Folglich werden Nodes mit geringerer Internet-Bandbreite längerfristig eventuell nicht mehr die ganze Blockchain laden und nicht mehr als “Full Nodes” agieren können. Es würde also zu einer weiteren Zentralisierung im Bitcoin Cash – Ökosystem kommen. Bitcoin soll aber gerade kein zentrales System sein.

Konsequenz für Bitcoin-Holder

Derzeit freuen sich Bitcoin-Holder über die Forks, da sie – soweit sie Zugang zu ihren Private Keys haben – den gleichen Anteil, den Sie in Bitcoin halten, auch in der neuen Kryptowährung (z.B. Bitcoin Cash) nutzen können. Das kann unter Umständen zu etwas mehr Wert insgesamt führen – muss aber nicht. Ein Hard Fork ist aber nicht immer positiv. Denn dieser ist auch mit Risiken für die Nutzer verbunden. Beispielsweise ist nicht immer sicher, welche Blockchain-Variante sich als führende Kryptowährung durchsetzen kann und wie sich nach dem Fork Transaktionen in der einen Blockkette auf die andere auswirken werden (s. auch “Replay-Attack“).

Hard Forks betreffen nicht nur die Bitcoin-Blockchain, sondern kommen natürlich auch in anderen Blockchains wie Ethereum vor. Daher sind heute beispielsweise immer noch zwei Ether-Währungen etabliert, Ethereum Classic (ETC) und Ethereum (ETH).

Zu wenig Mehrwert durch die neuen Kryptowährungen 

Durch die angesprochenen Forks verspreche ich mir viel zu wenig Nutzen. Bitcoin Cash kann hier immerhin noch mir 8-fachem Durchsatz punkten, was ich als einzige Weiterentwicklung sehe – und das mit den vorgenannten Nachteilen. Die anderen Forks erscheinen aus meiner Sicht noch viel weniger Mehrwert mit sich zu bringen. Man muss also daran zweifeln, ob sich die geforkten neuen Kryptowährungen tatsächlich etablieren können. Für klassische Bitcoin-Nutzer wird sich daher wenig ändern – bis auf die Tatsache, dass das Skalierungsproblem immer noch nicht gelöst ist und die Transaktionskosten weiter steigen werden.

Das entspricht für mich auch nicht mehr der Idee von Satoshi Nakamotos Bitcoin-Ökosystem, nämlich einem “Peer-to-Peer Electronic Cash System“, welches auch in der Praxis funktioniert. Bitcoin verkommt nun zu einer reinen (wenn auch interessanten) Anlageform.

Nachtrag vom Abend des 8.11.2017

Der Bitcoin 2x / SegWit 2x – Fork wurde aufgrund mangelndem Konsens in der Community abgesagt (s. auch CoinDesk). Der Fork hätte nach meiner Einschätzung (s.o.) ohnehin keinen Effekt gehabt und nur zusätzlich das Image von Bitcoin insgesamt verschlechtert.

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